Lockdown, Mediennutzung und die Kampagne FAMILIE/FREUNDE/FOLLOWER

(Mit dem Tip der Woche erhalten Sie Informationen, die von der persönlichen Meinung des Schreibenden gestaltet werden.)

„Seit Corona kriege ich meinen gar nicht mehr vom PC weg, der kommt gar nicht mehr aus dem Zimmer und dann die Noten jetzt nach den ersten Arbeiten vor den Herbstferien, also wirklich, Katastrophe … ich weiß echt nicht was ich da machen soll!“

„Ich höre den ganzen Tag nur noch TikTok von meiner, da wird man doch bekloppt von und ich kenn mich mit dem ganzen Kram auch überhaupt nicht aus. TikTok. Seit Corona nur noch TikTok. Ich glaube die tickt und tockt nicht mehr richtig.“

Es unterhalten sich hier zwei Mütter über ihre Kinder.

„Meiner“ ist ein 16 jähriger Jugendlicher mit einem ziemlich hohen Level als Gamer und einem ziemlich niedrigen Level in der Schule. Im Gegensatz zu seiner Mutter besteht für ihn das Problem eher darin, dass man die Schule und die ganzen Fächer einfach nicht „gamen“ kann, sondern verstehen und (er)lernen muss.

„Meine“ ist eine 12jährige Jugendliche, die gerade ihre ersten Follower bei Tik-Tok einsammelt, was für sie einfach mehr Wert ist als jede Note. Im Moment jedenfalls. Und ganz bestimmt für das jugendliche Selbstbewusstsein.

Corona ist mit dem verhängten Lockdown in den ersten Wochen auf eine Jugend in unserem Land getroffen, deren Lebenswelt sich in weiten Bereichen digitalisiert abspielt. Die Kontaktbeschränkungen der Pandemie brachte für alle davon Betroffenen zunächst einmal die Frage mit sich, wie diese viele Zeit im Rahmen der eigenen Familie und ihrer Begrenztheit zu überstehen ist. Für viele Kinder und Jugendliche wurde Gaming und soziale Medien zu einer Art Überlebenshilfe, die – wie man jetzt weiß – reale Kontakte und wirkliche Beziehungssituationen bestenfalls nachahmen, aber nicht wirklich ersetzen konnte.

Hat diese Form der (seelischen) Überlebenshilfe ein Risiko?

Dieser Frage ist jetzt eine Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen im Kindes- und Jugendalter und der DAK nachgegangen. 1200 Familien mit Kindern im Alter von 10 bis 17 Jahren wurden befragt.

Während des Corona Lockdowns sind die Nutzungszeiten beim Gaming von 79 auf 139 Minuten täglich (+ 75%) angestiegen. Ähnlich haben sich die Zeiten für die Nutzung sozialer Medien von 116 auf 193 Minuten am Tag (+ 66%) vermehrt.

Mit welchen Worten erklären die befragten Kinder und Jugendlichen ihren zunehmenden Aufenthalt im Internet?

„Sorgen vergessen“, „Stress abbauen“ und „Realität nervt“ – immerhin jeder Dritte antwortet mit diesen Begründungen. Raus aus der Realität und rein ins virtuelle Vergnügen, könnte man salopp formulieren. Dahinter steht, dass das Internet zur Regulierung von Spannungen verwendet wird, die an der Schnittstelle zwischen Realitätsanforderungen und der eigenen Persönlichkeit entstehen.

Ist das bedenklich?

Ja, schon. Das Internet bekommt damit eine Funktion im seelischen Haushalt und bereitet einer Gewohnheitsbildung und Suchtentwicklung den Boden. „Fast 700 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland weisen nach den neuen ICD 10-Kriterien der WHO einen riskanten oder pathologischen Medienkonsum auf“ (Deutsches Ärzteblatt, Heft 8 2020, S. 337).

Das Tun der Einen beruht auf dem Nichtwissen der Anderen.

Ca. 80% der Eltern wissen nicht, womit sich ihre Kinder im Netz beschäftigen und bei ca. 50% der Familien gab es vor und während des Lockdowns keine zeitliche Begrenzung des Medienkonsums.

Die jetzt gestartet Kampagne FAMILIE.FREUNDE.FOLLOWER der Drogenbeauftragten Daniela Ludwig (MdB) zielt genau auf diesen Sachverhalt und will die Eltern in ihrer Verantwortung stärken und Kindern und Jugendlichen Hilfestellung geben.

Bei Eingabe www.drogenbeauftragte.de gelangt man direkt auf die Titelseite der Kampagne, die mit drei Plakaten (Zeit für die Familie? – Essenszeit ist bildschirmfrei! / Echte Freunde? – Das Leben auch offline entdecken! / Vorbild? – Kinder schauen sich Ihre Gewohnheiten ab!) den Rahmen für „weitere Informationen“ absteckt.

Und hier fängt die Kampagne an, sich zu lohnen. Das heißt, das Stöbern bringt jede Menge Anregungen, Ratschläge, Empfehlungen und Informationen zu Tage. Gerade auch solche, von denen man vorher noch gar nicht ahnte, dass es sie gibt und wie nützlich sie sind.

Wir wissen, stöbern braucht Zeit, aber das ist hier gut investierte Zeit.

Unter dem Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung (BZgA) führt der link www.ins-netz-gehen.de/ zu jeder Menge Informationen, aber auch zu Tipps für Kinder-, Jugendliche u. Familien (z.B. 1. Macht eine Fotochallenge in der Natur. Unternehmt einen Spaziergang und macht eine Liste mit Fotoaufgaben – z. B. die schönste Blüte oder ein kleines Tier fotografieren. Kürt anschließend einen Gewinner. 2. Nimm an einer Online-Sportstunde teil. Auf dem YouTube-Kanal des Basketballvereins „Alba Berlin“ findet täglich eine digitale Sportstunde statt. 3. Zeichne ein Portrait oder eine Karikatur deines Haustiers oder von dir selbst. Möchtest du Zeichnen von Grund auf lernen, dann findest du z. B. auf dem YouTube-Kanal der Akademie Ruhr Anleitungen für verschiedene Motive), man kann auch unter dem Zettel „Check dich selbst“ der Frage nachgehen, wann Computer, Smartphone und Internet ein Problem werden und bei „Bleib im Netz“ sagen, was am Internet wichtig und gut ist. 

Die Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ mit dem Link www.schau-hin.info/ richtet sich an Eltern und stellt Informationen zu allen Themen rund um die Medienwelt zur Verfügung (z.B. „Wann ist mein Kind reif für ein Smartphone? / Smartphone ohne Ende? Medienzeiten vereinbaren) und gibt Empfehlungen in Form von Regeln (z.B. Goldene Regeln für Kinder zwischen 7 und 10 Jahren / Goldene Regeln für Kinder zwischen 11 und 13 Jahren) und Videos („Was mache ich, wenn mein Kind immer ON ist“).

Angemerkt sei, dass man hier Orientierungspunkte erhält, die immer auch erst in den eigenen Erziehungsalltag „übersetzt“ werden müssen.

Weitere Informationen bietet auch das Initiativbüro „Gutes Aufwachsen mit Medien“ (www.gutes-aufwachsen-mit-medien.de/), die Empfehlungen der Kinder- u. Jugendärzte, Diakonie und Caritas.

Wir hoffen, Sie finden die Zeit, diese Anregungen auszuprobieren. Manchmal hilft es, sich einfach darauf einzulassen, auch wenn die Alltagsträgheit einen im ersten Moment zögerlich sein lässt. Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen, aber auch Ihre Meinung und Wünsche (Haben Sie zum Beispiel konkretere Fragen oder wäre es gut, weniger Themen vorzustellen, diese aber vertiefend auszuleuchten?).

Wir sind gespannt.

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Quellen: alle Zahlenangaben sind dem Deutschen Ärzteblatt, Ausgabe PP, Heft 8 2020, S. 337 entnommen.


 

Fachstelle für Suchtprävention 


Beratungsstelle des Schwalm-Eder-Kreises

Schlesierweg 1
34576 Homberg (Efze)
Telefon: 05681 775 600
Fax: 05681 – 775 598

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