Die Kolumne der Fachstelle für Suchtprävention in der Pandemie-Zeit haben wir etwas augenzwinkernd nach dem spanischen Wort für „Krönung“ benannt. Sie erscheint einmal pro Woche. Alltagsbeobachtungen vermengen sich darin mit Nachdenken und Informativem. Lassen Sie sich diese Mischung gut schmecken.

 

 

Das Kolumnenwesen floriert. Ich habe jetzt eine Anregung bekommen. Vielleicht ist es sogar ein Auftrag. Und bei Aufträgen lässt sich schon fast ein Geschäft wittern.

Die Anfrage war, ob ich nicht einmal über die Maske als solche etwas schreiben könne. Die Idee gefiel mir gut. Schon weil ich finde, dass diese Dinger die Ohren meiner Mitbürger*innen so schön zum Segeln bringen. Je strammer die Haltegummis, desto „segeliger“ wird es, aber auch umso schrumpeliger. Allein das erheitert mich ein jedes Mal. Das funktioniert übrigens auch im Spiegel.

 

Auch beeindruckt mich die Filterwirkung dieser Teile. Und dazu zählt auch eine Erfahrung, die ich kürzlich machen konnte.

 

Diese Erfahrung war eine Begegnung. So von Maske zu Maske. Sie fand im Supermarkt statt. Ich hatte mich dort schon in die verschiedenen Vorschriften des Hygienischen eingefügt und musste mich fragen, ob ich jetzt gerade mehr beschützt oder doch eher eingeengt werde. Nun gut, der Einkauf war beisammen, im abstandssicheren, griffdesinfizierten Wagen verstaut und mit - wegen der Maske - leicht beschlagen-nebligen Brillengläsern bewegte ich mich zur Kasse. Zügig. Auf dem Weg dahin eine Engstelle im Gang. Ein Rollwagen. Nicht auf meiner Seite. Ich also vorfahrtsberechtigt. Da kommt einer. Also Gegenverkehr. Und der schiebt voran. Vermummt wie er ist. Ich denke, gut, dann machen wir eben mal eine kleine Einkaufswagenverkeilerei - und dann sehen wir weiter.

 

Dieses Verfahren habe ich mir übrigens abgeschaut. Meistens läuft das unter der Überschrift „Kompetenzgerangel“. Prominentes Beispiel zuletzt war die Konstellation Verfassungsgericht gegen Europäischen Gerichtshof bei den Anleihekäufen. Auch in der Entwicklungszeit der jetzt veröffentlichten Corona-App, war unter den Beteiligten viel „rangeliges“ Kompetenzgeschehen herauszuhören. Gibt es eigentlich überall und immer wieder.

 

Also, auch ich schiebe. Stillstand. Schön verkeilter Stillstand. Nichts geht mehr. Stau.

 

Ich warte auf eine Verkehrsdurchsage, in etwa dem Stil: „Achtung, Verkehrsstau in Gang C „Hygieneartikel“. In Höhe der Anschlussstelle Toilettenpapier ist eine Tagesbaustelle. Der Verkehr staut sich zurück. Sie müssen mit 10 Minuten Verzögerung rechnen.“

 

Diese Durchsage kommt nicht, aber ich höre etwas anderes. „Bsdka“.

Die Filterwirkung der Maske ist erstaunlich. Zumindest bei Silben und Worten. Die bleiben schon mal hängen darin. Wenn die das mit dem Virus genauso hinbekommt will ich zufrieden sein.

Der Fremde also will mit mir reden. Kontakt aufnehmen. Kommunizieren. Ist wahrscheinlich doch ein soziales Wesen. Und dann höre ich meinen Namen „ … bist du das?“. Vielleicht musste es so kommen – wir kennen uns. Und waren uns kurz zuvor noch so maskenfremd.

 

Masken verbergen und bewahren. Schützen und verheimlichen. Die Motive und Zwecke der Maske sind vielschichtig. Rechtschaffen und Rechte verletzend. In der Maske wohnt eine Ambivalenz.

 

Im Kontext des Sozialen macht die Maske ihren Träger unkenntlich. Und der Maskenträger weiß um diese Unkenntlichkeit. Er wird gesehen, aber nicht erkannt. Er enthebt sich der Regeln der Gemeinschaft, die auf dem Erkennen beruhen. Er gibt diesen Halt auf und sucht die Befreiung von Konventionen. Das kann die Identität bereichern oder auch das Soziale in der Gemeinschaft gefährden.

In den Worten der Strukturtheorie der Psychoanalyse – die das Seelische in die Instanzen Ich, Es und Über-Ich unterteilt – lässt die Maske Regungen aus dem Bereich des Es in das Ich einströmen und schwächt den Einfluss des Gewissens. 

 

Ich denke, in dem Supermarkt habe ich etwas von der Ambivalenz zu spüren bekommen.

 

Und wissen Sie, was verdammt schwer ist mit Maske?

 

Zu lächeln.

Wahrscheinlich fehlt das der Maske und ihren Trägern am allermeisten.

 

Wie geht es Ihnen mit der Maske? Welche Erfahrungen und Begegnungen haben Sie eingesammelt?

Schreiben Sie mir: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

Fachstelle für Suchtprävention 


Beratungsstelle des Schwalm-Eder-Kreises

Schlesierweg 1
34576 Homberg (Efze)
Telefon: 05681 775 600
Fax: 05681 – 775 598

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Fachstelle für Suchtprävention

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