Ich bin jetzt Officer. Ich glaube ja, es handelt sich um eine Beförderung. Hat mit mir aber noch keiner so drüber gesprochen. Muss aber so sein, eigentlich. Genauer gesagt bin ich back-Officer. Also ich arbeite jetzt im BackOffice. Ist mir gesagt worden. Wegen Corona. Aus Altersgründen. Sie dürfen sich jetzt nicht so einen bäuerlichen Alterseinsitz vorstellen und dass ich mein gebrechlich gewordenes Leben in einer schummrigen Kate bei trocken Brot friste. Nein, nein. Ich bin Officer. Wahrscheinlich arbeite ich sogar undercover. Eigentlich warte ich darauf, dass mich jemand mit James anredet und ich so gerührt wie geschüttelt bin.
 

Sie merken vielleicht, ich suche mit diesen launigen Worten den Weg zu einer veränderten beruflichen Identität. Und mit der ist das so eine Sache.

Stellen Sie sich das einmal so vor:

Links ist ein Kreis, in dem sich all das versammelt, wie man sich selber sieht und findet.

Rechts ist auch ein Kreis. In dem ist all das enthalten, wie einen andere sehen und beschreiben und natürlich auch finden.

Wenn der linke Kreis von dem rechten ganz weit weg ist, dann nützt das für die Identität gar nichts. Beide müssen sich näherkommen, berühren und sich zu einem Teil übereinanderlegen. Das ist aber nicht bedenklich, sondern sehr nützlich. Es entsteht auch etwas Neues dabei.

Diese Schnittmenge ist die Identität. Die eigene. Wo ich mit dem von anderen gesehen werde, wie ich mich fühle. Und da hat Corona jetzt dran rumgeschoben. Alles durcheinander gebracht sozusagen.
 

Das geht aber nicht nur mir so.

Es gibt jetzt eine erste Befragung Jugendlicher aus der aktuellen Pandemiezeit. Sie sind in einem bisher unbekannten Ausmaß auf sich selber und die eigene Familie zurückgeworfen.
 

Die sonst von der Schule gesetzte Zeitstruktur muss weitgehend selbst hergestellt werden, zumeist in einer Wochenperspektive. Wann erledige ich Deutsch, wann Mathe?
 

Neben der Fähigkeit zur zeitlichen Selbststrukturierung wird unter den derzeitigen reduzierten Bedingungen ebenso die Problemlösekompetenz abgefragt. Die aktualisiert sich in dem Moment, in dem jemand nicht weiterweiß und ratlos wird. „Wer hilft mir?“ Darauf muss jetzt unter den eingeschränkten Bedingungen eine mehr oder auch minder gute Antwort gesucht werden.
 

Schwierigster Punkt ist das Fehlen der Begegnungen mit Gleichaltrigen. Auch hier gilt der oben genannte Satz, dass die eigene Identität das Gegenüber und ein „Erkannt-werden“ und „Gesehen-werden“ braucht. Diese Funktion des Gegenübers kann nur partiell an die Selbstdarstellungen im Internet und erhaltene Likes abgetreten werden. Das muss einfach live sein und braucht die Unmittelbarkeit der Begegnung. Und da ist jetzt etwas verstummt, bzw. kommt mit der partiellen Schulöffnung gerade wieder in Gang.

Corona macht die Identitätssuche u. -bildung schwieriger, weil sie die Beziehungswirklichkeit verändert. Das eigene Leben jenseits der Familie, das notwendige „Nichtwissen“ der Eltern, die durch den stärker werdenden Kontakt zu Gleichaltrigen entwickelte Autonomie – all das ist abgekühlt und auf Zeit eingefroren.
 

Ich freue ich auf das Tauwetter.

Bis dahin beantrage ich schon mal einen Aston als Dienstwagen und lasse meinen Kugelschreiber als Laserwaffe nachrüsten. Und BackOffice hört sich irgendwie ja auch nach Come-back an. Oder?
 

„Overbeck!“ - hat mich da gerade jemand Overbeck gerufen?
 

Ähem –Wie hat sich Ihre berufliche Identität verändert? Sind Sie noch der oder die Alte?

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