„Das Schwert des Schicksals- Crystallys“ von einem jungen Autor und Grundschullehrer.

-Das Buch führt einen in die Wälder Auraniens. Dort lebt Leander, der die Kraft besitzt, die Wolken mithilfe eines magischen Amuletts zu Bildern seiner Geschichte zu formen. Zusammen mit Leander können magische Abenteuer erlebt und gegen Drachen gekämpft werden.-

Der Autor Rudolf Görner bietet am 22.01.2021 um 17.30 Uhr eine kostenlose Online-Lesung an.

 

 

Auf der folgenden Internetseite können Sie den Link zu der online Lesung finden: www.diestreamerei.de

Wenn Sie mehr über das Buch oder den Autoren erfahren möchten, finden Sie weitere Informationen auf der folgenden Seite: www.rudi-goerner.de

HINWEIS: Der Erlös durch den Verkauf des Buches wird an die „Radio 7 Drachenkinder“ gespendet, um Projekte dort finanziell zu unterstützen.

Digitalwissen: ein*e Influencer*in, was ist das?

Vorbemerkung: Die Rubrik „News“ löst den „TIP der Woche“ ab, der für die Zeit des Lockdown in der ersten Coronawelle konzipiert worden war. Auch hier stellen wir Ihnen für Ihr pädagogisches Arbeitsfeld (das kann auch das mit den eigenen Kindern sein) regelmäßig Hintergrundinformationen, Arbeitsmittel, Links und Methoden aus dem Bereich Suchtprävention und Gesundheitsförderung in einem weiteren Sinne vor. Wir lesen, testen, probieren und empfehlen und hoffen, dass Sie darin auch einen Unterhaltungswert finden können.Diese Rubrik ergänzt die jetzt wieder im persönlichen Kontakt stattfindende Präventionsberatung.

Mit dieser Frage – Was ist ein*e Influencer*in? – bin ich in den zurückliegenden Tagen in verschiedenen Milieus hausieren gegangen. Es gab der Antworten einige: wissende, interessante, unterhaltsame und improvisierte - aber lesen Sie einmal selbst:

- „Weiß nicht, irgendwas macht die, was auf dem Handy, stellt was ein, aber ich weiß es nicht.“

- „Da habe ich mich gerade jetzt im Oktober gegen impfen lassen.“

- „Person, die auf YouTube ein Trendsetter ist, ein Vorbild, das man nachahmt … die auch Werbung macht für Produkte oder auch Sport … ein medialer Trendsetter und mit den Likes wird Geld verdient.“

- „Influencer … mein Enkel hat das als Beruf … aber ich weiß nicht wo er jetzt arbeitet. Und über die Lehre hat er vorher irgendwie auch nie etwas gesagt.“

Am schönsten hat mir gefallen mitanzuhören, wie der Wille zur Sinnstiftung sich seinen holprigen Weg zu einem Ziel sucht. Aus einem ähnlichen Wortklang (Influenza – Influencer) wird erst ein ungefähres Ahnen und dann mit dem Aussprechen der Antwort eine überzeugte Gewissheit. Irgendwie fühlte ich mich an alte Schultage und vor allem an Übersetzungsversuche in Latein erinnert.

 

Aber, was ist denn jetzt ein*e Influencer*in?

Eine ausgesprochen gründlich recherchierte Antwort auf diese Frage finden Sie auf der Seite https://webcare.plus

- webcare ist ein Projekt der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) und wirbt für sich mit dem Satz:

„Ein Infoportal rund um virtuelle Welten, Möglichkeiten und Grenzen des Digitalen.“

 

Bestandteil des Portals ist ein informativer Blog, der zuletzt neben der Influencer-Frage die nachfolgenden Themen aufgegriffen hat, die man dort zurzeit auch alle noch nachlesen kann:

-          Handysucht: Gibt es das überhaupt?

-          Medienkompetenz: Was ist das?

-          Nomophobie: Hast du Angst, ohne Handy aus dem Haus zu gehen?

-          Machen Digitale Medien depressiv?

-          Medienerziehung: Wie beeinflussen Eltern die Handynutzung ihrer Kinder?

 

Neben anregenden und lehrreichen Informationen finden sich auf der Seite auch Hilfsangebote für Leute, die sich fragen, ob sie ihr Nutzungsverhalten noch gut kontrollieren können.

 

Schauen Sie einmal dort hinein und gern können Sie uns schreiben, wie Ihnen die Seite und unsere Empfehlung gefallen hat: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 


 

Hattest du heute schon mal ein Gefühl von FoMO? Solltest du mit dem Begriff nichts anfangen können, hast du anscheinend etwas verpasst.

FoMO bedeutet „Fear of missing out“ und bezeichnet ein postmodernes Gefühl, nämlich die Angst etwas zu verpassen. Insbesondere junge Menschen, aber auch andere Social-Media User*innen, gehören zur FoMO-Risikogruppe. Solltest du mehrere der folgend genannten Symptome bei dir erkennen, bist du mit hoher Wahrscheinlichkeit digital infiziert.

  • Du bist traurig, unruhig oder nervös, wenn Freund*innen sich treffen und Spaß haben und du nicht dabei bist.
  • Du hast Angst, dass die Erfahrungen von Freund*innen oder anderen Menschen besser sind als deine.
  • Du möchtest es Anderen immer direkt mitteilen, wenn du etwas erlebst, zum Beispiel auf Insta, Facebook oder TikTok.
  • Du bist sehr häufig und gewohnheitsmäßig in sozialen Netzwerken unterwegs, auch während des Essens oder in Gesellschaft.
  • Du hast Konzentrationsprobleme beim Lernen oder Arbeiten, weil du den Drang verspürst, immer online sein zu müssen.
  • Du hast auch während des Autofahrens das Bedürfnis zur Handynutzung - gilt für Führerscheininhaber*innen.

Bei allem Segen der Digitalisierung ist FoMO der Fluch! Wir wissen heute, dass die digitalen Medien großartige Chancen im Bereich der Kommunikation bieten und gleichzeitig auch verdammt einsam machen können. Das erscheint zunächst paradox, ist es aber nicht. Das Angebot an Kurzbotschaften und Augenblicksbeschreibungen und die damit verbundenen Einladungen das Gesehene zu bewerten und mit Smileys + Emojis zu versehen können süchtig machen…

…und bei dir ein Gefühl der Leere hinterlassen.

Indem du dich immer mit Anderen vergleichst, verlierst du den Blick für dich selbst. Die Posts zeigen dir die grandiosen und spektakulären Momentaufnahmen der oft unbekannten Anderen. Und allzu oft haben diese mit der Realität wenig zu tun. Sie sind geföhnt und gestylt oder von Profi Influencer*innen für diejenigen inszeniert, die FoMO gefährdet sind. Also vielleicht gerade für dich! Was also tun?

Wenn du bis hierhin gelesen hast, bist du schon auf einem guten Weg. Du interessierst dich für das Thema und hast vielleicht gerade eigene Anteile bei dir identifiziert. Auf deinem weiteren Weg sollten dir die Unterschiede zwischen der „virtual reality“ und dem „real life“ bewusst werden. Hier einige sogenannte „Ich-Botschaften“, die dir dabei helfen können.

  • Ich bin einzigartig, aber nicht die/der Einzige mit dem Problem.
  • Ich darf anders sein als andere.
  • Ich erlaube mir „on“-Auszeiten.
  • Ich muss nicht immer erreichbar sein.
  • Ich darf „Nein“ sagen.
  • Ich darf über FoMO und meine Ängste sprechen.

 

Wer sich angesprochen fühlt und/oder mit einer Kollegin oder mir aus der Beratungsstelle sprechen möchte, kann mir gerne schreiben. Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wir bieten auch Videosprechstunden an.

 


 

 Lockdown, Mediennutzung und die Kampagne FAMILIE/FREUNDE/FOLLOWER

(Mit dem Tip der Woche erhalten Sie Informationen, die von der persönlichen Meinung des Schreibenden gestaltet werden.)

„Seit Corona kriege ich meinen gar nicht mehr vom PC weg, der kommt gar nicht mehr aus dem Zimmer und dann die Noten jetzt nach den ersten Arbeiten vor den Herbstferien, also wirklich, Katastrophe … ich weiß echt nicht was ich da machen soll!“

„Ich höre den ganzen Tag nur noch TikTok von meiner, da wird man doch bekloppt von und ich kenn mich mit dem ganzen Kram auch überhaupt nicht aus. TikTok. Seit Corona nur noch TikTok. Ich glaube die tickt und tockt nicht mehr richtig.“

Es unterhalten sich hier zwei Mütter über ihre Kinder.

„Meiner“ ist ein 16 jähriger Jugendlicher mit einem ziemlich hohen Level als Gamer und einem ziemlich niedrigen Level in der Schule. Im Gegensatz zu seiner Mutter besteht für ihn das Problem eher darin, dass man die Schule und die ganzen Fächer einfach nicht „gamen“ kann, sondern verstehen und (er)lernen muss.

„Meine“ ist eine 12jährige Jugendliche, die gerade ihre ersten Follower bei Tik-Tok einsammelt, was für sie einfach mehr Wert ist als jede Note. Im Moment jedenfalls. Und ganz bestimmt für das jugendliche Selbstbewusstsein.

Corona ist mit dem verhängten Lockdown in den ersten Wochen auf eine Jugend in unserem Land getroffen, deren Lebenswelt sich in weiten Bereichen digitalisiert abspielt. Die Kontaktbeschränkungen der Pandemie brachte für alle davon Betroffenen zunächst einmal die Frage mit sich, wie diese viele Zeit im Rahmen der eigenen Familie und ihrer Begrenztheit zu überstehen ist. Für viele Kinder und Jugendliche wurde Gaming und soziale Medien zu einer Art Überlebenshilfe, die – wie man jetzt weiß – reale Kontakte und wirkliche Beziehungssituationen bestenfalls nachahmen, aber nicht wirklich ersetzen konnte.

Hat diese Form der (seelischen) Überlebenshilfe ein Risiko?

Dieser Frage ist jetzt eine Studie des Deutschen Zentrums für Suchtfragen im Kindes- und Jugendalter und der DAK nachgegangen. 1200 Familien mit Kindern im Alter von 10 bis 17 Jahren wurden befragt.

Während des Corona Lockdowns sind die Nutzungszeiten beim Gaming von 79 auf 139 Minuten täglich (+ 75%) angestiegen. Ähnlich haben sich die Zeiten für die Nutzung sozialer Medien von 116 auf 193 Minuten am Tag (+ 66%) vermehrt.

Mit welchen Worten erklären die befragten Kinder und Jugendlichen ihren zunehmenden Aufenthalt im Internet?

„Sorgen vergessen“, „Stress abbauen“ und „Realität nervt“ – immerhin jeder Dritte antwortet mit diesen Begründungen. Raus aus der Realität und rein ins virtuelle Vergnügen, könnte man salopp formulieren. Dahinter steht, dass das Internet zur Regulierung von Spannungen verwendet wird, die an der Schnittstelle zwischen Realitätsanforderungen und der eigenen Persönlichkeit entstehen.

Ist das bedenklich?

Ja, schon. Das Internet bekommt damit eine Funktion im seelischen Haushalt und bereitet einer Gewohnheitsbildung und Suchtentwicklung den Boden. „Fast 700 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland weisen nach den neuen ICD 10-Kriterien der WHO einen riskanten oder pathologischen Medienkonsum auf“ (Deutsches Ärzteblatt, Heft 8 2020, S. 337).

Das Tun der Einen beruht auf dem Nichtwissen der Anderen.

Ca. 80% der Eltern wissen nicht, womit sich ihre Kinder im Netz beschäftigen und bei ca. 50% der Familien gab es vor und während des Lockdowns keine zeitliche Begrenzung des Medienkonsums.

Die jetzt gestartet Kampagne FAMILIE.FREUNDE.FOLLOWER der Drogenbeauftragten Daniela Ludwig (MdB) zielt genau auf diesen Sachverhalt und will die Eltern in ihrer Verantwortung stärken und Kindern und Jugendlichen Hilfestellung geben.

Bei Eingabe www.drogenbeauftragte.de gelangt man direkt auf die Titelseite der Kampagne, die mit drei Plakaten (Zeit für die Familie? – Essenszeit ist bildschirmfrei! / Echte Freunde? – Das Leben auch offline entdecken! / Vorbild? – Kinder schauen sich Ihre Gewohnheiten ab!) den Rahmen für „weitere Informationen“ absteckt.

Und hier fängt die Kampagne an, sich zu lohnen. Das heißt, das Stöbern bringt jede Menge Anregungen, Ratschläge, Empfehlungen und Informationen zu Tage. Gerade auch solche, von denen man vorher noch gar nicht ahnte, dass es sie gibt und wie nützlich sie sind.

Wir wissen, stöbern braucht Zeit, aber das ist hier gut investierte Zeit.

Unter dem Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung (BZgA) führt der link www.ins-netz-gehen.de/ zu jeder Menge Informationen, aber auch zu Tipps für Kinder-, Jugendliche u. Familien (z.B. 1. Macht eine Fotochallenge in der Natur. Unternehmt einen Spaziergang und macht eine Liste mit Fotoaufgaben – z. B. die schönste Blüte oder ein kleines Tier fotografieren. Kürt anschließend einen Gewinner. 2. Nimm an einer Online-Sportstunde teil. Auf dem YouTube-Kanal des Basketballvereins „Alba Berlin“ findet täglich eine digitale Sportstunde statt. 3. Zeichne ein Portrait oder eine Karikatur deines Haustiers oder von dir selbst. Möchtest du Zeichnen von Grund auf lernen, dann findest du z. B. auf dem YouTube-Kanal der Akademie Ruhr Anleitungen für verschiedene Motive), man kann auch unter dem Zettel „Check dich selbst“ der Frage nachgehen, wann Computer, Smartphone und Internet ein Problem werden und bei „Bleib im Netz“ sagen, was am Internet wichtig und gut ist. 

Die Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ mit dem Link www.schau-hin.info/ richtet sich an Eltern und stellt Informationen zu allen Themen rund um die Medienwelt zur Verfügung (z.B. „Wann ist mein Kind reif für ein Smartphone? / Smartphone ohne Ende? Medienzeiten vereinbaren) und gibt Empfehlungen in Form von Regeln (z.B. Goldene Regeln für Kinder zwischen 7 und 10 Jahren / Goldene Regeln für Kinder zwischen 11 und 13 Jahren) und Videos („Was mache ich, wenn mein Kind immer ON ist“).

Angemerkt sei, dass man hier Orientierungspunkte erhält, die immer auch erst in den eigenen Erziehungsalltag „übersetzt“ werden müssen.

Weitere Informationen bietet auch das Initiativbüro „Gutes Aufwachsen mit Medien“ (www.gutes-aufwachsen-mit-medien.de/), die Empfehlungen der Kinder- u. Jugendärzte, Diakonie und Caritas.

Wir hoffen, Sie finden die Zeit, diese Anregungen auszuprobieren. Manchmal hilft es, sich einfach darauf einzulassen, auch wenn die Alltagsträgheit einen im ersten Moment zögerlich sein lässt. Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen, aber auch Ihre Meinung und Wünsche (Haben Sie zum Beispiel konkretere Fragen oder wäre es gut, weniger Themen vorzustellen, diese aber vertiefend auszuleuchten?).

Wir sind gespannt.

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Quellen: alle Zahlenangaben sind dem Deutschen Ärzteblatt, Ausgabe PP, Heft 8 2020, S. 337 entnommen.


 

 

Der heutige Tip beleuchtet die Auswirkungen von Corona auf die Konsumgewohnheiten der Bevölkerung im Hinblick auf Alkohol und Tabak. 

 

Corona wird inzwischen nicht mehr nur medizinisch beforscht, sondern auch in seinen psychosozialen Auswirkungen auf die Bevölkerung. Das ist notwendig und richtig. Vor einiger Zeit haben wir hier eine Studie zum Thema Jugend vorgestellt. Aktuell ist eine Befragung zum Thema Corona und Alkohol- u. Tabakkonsum veröffentlicht worden.

 

Ist diese Befragung für die Suchtprävention von Interesse?

Ja, unmittelbar würden wir sagen. Moderner Suchtprävention geht es um die Fähigkeiten, das eigene Leben und die ihm zugefügten Belastungen zu bewältigen. Corona ist eine solche Belastung.

 

In der Studie wurde die Belastung u.a. mit den folgenden Fragen erfasst:

- Haben Sie Angst um Ihre Gesundheit oder um die Gesundheit von Personen, die Ihnen nahestehen?

- Fühlen Sie sich durch die Ausgangseinschränkungen gestresst?

Auf einer 11-teiligen Skale zwischen „Nein, überhaupt nicht“ bis „Ja, sehr stark“ konnten die Teilnehmer (Anzahl 2.150) ihre Antwort auswählen.

 

Auf Belastungen gibt es immer eine Antwort derjenigen, die davon getroffen werden. In dem Fall der Pandemie sind wir das alle. Die Antworten können ideenreich, familienbezogen, ablenkend, genervt, erschöpft oder verzweifelt sein.

Die Studie hat sich vor allem für den Zusammenhang zwischen Belastung und dem Konsum von Alkohol und Tabak interessiert. Beides sind in unserer Gesellschaft verfügbare Antwortmöglichkeit - bekanntermaßen mit körperlichen und seelischen Nebenwirkungen.

Die Fragen aus der Studie dazu:

- Wie hat sich der Alkoholkonsum seit den Ausgangsbeschränkungen verändert?

Mit den Antwortmöglichkeiten: Etwas mehr als zuvor – Viel mehr als zuvor – Gleich viel/wenig – Etwas weniger als zuvor – Viel weniger als zuvor – Trifft nicht zu

- Hat sich Ihr Nikotinkonsum und/oder Konsum von E-Zigaretten seit Beginn der Ausgangseinschränkungen verändert?

Die Antwortmöglichkeiten sind gleichlautend wie oben.

 

Im Ergebnis blieb der Alkoholkonsum bei 41,0% unverändert, bei 37,4% hat er sich erhöht und bei 21,2% vermindert.

71,7% der Studienteilnehmer*innen sind Nichtraucher. Bei den verbleibenden Raucher*innen war bei 33,7% der Konsum unverändert, 42,7% haben mehr konsumiert, 9% weniger, 11% haben aufgehört und 3,6% haben mit dem Rauchen angefangen.

 

Die Zahlen lassen sich so interpretieren, dass die Mehrheit der Bevölkerung auf die Belastungen der Pandemie mit einer Veränderung ihrer alkohol- u. tabakbezogenen Konsumgewohnheiten reagieren. In der Veränderung ist der vermehrte Konsum das bestimmende Element, womit sich die gesundheitlichen und seelischen Risiken erhöhen.

 

Dieser Effekt – das hat die Befragung herausgearbeitet – wird zum einen durch das subjektive Stresserleben verstärkt, aber noch viel stärker durch die Dauer der Schulbildung bestimmt.

 

In der Suchtprävention wird das „subjektive Stresserleben“ unter anderem mit dem Begriff „Resilienz“ erfasst. Mit Resilienz ist eine Art seelischer Widerstandskraft gemeint, mit der schwierige Situationen durchstanden werden können. Eine resiliente Person wird mit Wörtern beschrieben wie: anpassungsfähig, belastbar, selbstvertrauend. Aber zu deren Eigenschaften zählen noch weitere Begriffe: zugewandt, emotional, mitteilsam, diszipliniert, kommunikativ, vertrauensvoll.

 

Die seelische Widerstandskraft kann man üben. Und die Angebote der modernen Suchtprävention helfen dabei. Wir als Fachstelle empfehlen zum Beispiel den „Jugend-Risiko$check“ für den Jahrgang 8 an Schulen, das „Cannabisprojekt“ ab Jahrgang 9 und das Projekt „KLASSE KLASSE“ für Grundschulen.

 

 

Die Studie können Sie nachlesen unter: www.aerzteblatt.de/201251

 

An Ihrer Meinung als Leser*in sind wir immer interessiert. Gern können Sie uns dazu schreiben:

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Corona hat in den ersten Monaten diesen Jahres die Welt überfallen. Der ersten Schrecken ist mittlerweile eine Art Umgangsroutine gewichen und mit den aktuellen Hygieneempfehlungen gibt es eine Sicherheit vermittelnde Handhabe für jeden Einzelnen. Die Schlagzeilen zu Corona haben nachgelassen und die gesellschaftliche Aufmerksamkeit verteilt sich wieder breiter, andere Themen schieben sich in den Vordergrund. Damit hat auch diese Kolumne so langsam ihren Bezugspunkt eingebüßt. Sie endet mit diesem Beitrag, der auch keine Kolumne mehr im eigentlichen Sinne ist, sondern von dem „making-of“ erzählt. Schon wegen der Transparenz.

 

Also, über das Kolumnenwesen von la coronacion – eine rückblickende Draufsicht

 

Eine Kolumne ist nicht absichtslos. Auch hinter la coronacion standen Gedanken. Sie hatte einen direkten Bezug zu dem Zeitgeschehen, in dem sie geschrieben wurde. Sie nahm eine Bewegung unserer Gesellschaft auf. Unsere Gesellschaft wurde von dem Virusgeschehen um Covid 19 im März überrascht und getroffen. Unmittelbar.

 

Dem Getroffensein gab die Kolumne ein Alltagsgesicht. Das des Ich-Erzählers. Die Kolumne stellte ihn zur Verfügung und In ihm wurde die gesellschaftliche Erfahrung individualisiert und personifiziert und konnte so in leicht veränderter Form noch einmal miterlebt werden. Mit einer gespürten Nähe und Verwandtschaft im Seelischen konnte aus dem Ich-Erzähler ein „unser“ Ich-Erzähler werden, wie ich aus Ihren Zuschriften weiß.

 

Unser Ich-Erzähler war fiktional. Er war nicht identisch mit dem Schreiber der Kolumne, nahm aber Anleihen an dessen Erfahrungen, Miterlebtem und dem von ihm Gehörtem.

 

Unser Ich-Erzähler verwandelte die gesellschaftliche Erfahrung in eine Geschichte. Er schlug ein Narrativ vor. Er wählte dazu eine bestimmte Position. Er beobachtete und wunderte sich über das Beobachtete. Die Verwunderung konnte auch ihm selber gelten. Manchmal vor allem. Er gab dem was er bemerkte Worte und ließ mit den beschreibenden Worten seine Leser an sich und seinen Gedanken teilhaben. Er öffnete sich in seiner erstaunten Ratlosigkeit. Unser Ich-Erzähler verfremdete die Wirklichkeit, überzeichnete sie und ließ assoziativ seinen Phantasien ihren freien Lauf.

 

In diesem Moment vermittelte die Kolumne in der Figur des Ich-Erzählers auch eine seelische Funktion. Die Funktion des Umgangs mit einer krisenhaften Erfahrung.

Unser Ich-Erzähler machte sich die Realität fremd, um Abstand zu gewinnen. Der Abstand öffnete den Weg zur Reflektion, zum Nachdenken, zur Einordnung der Erfahrung. Unter einem seelischen Aspekt wollte unser Ich-Erzähler sich der entglittenen Sicherheit wieder bemächtigen. Vor dieser Aufgabe stand die Gesamtheit unserer Gesellschaft. Und als Leser konnte man diesem Bemühen zuschauen und vielleicht dabei auch ein Vergnügen empfinden. Geschadet hätte es nicht.

 

Unser Ich-Erzähler wollte verstehen und Klarheit haben. Er fing an zu suchen. Darin wurde das Bedürfnis nach sinngebender Ordnung nachgezeichnet. Offenbar eine Condicio humana.

Unser Ich-Erzähler lieh sich sein Verstehen bei anderen aus. Die Anderen waren sach- und fachkundige Autoren, stammten aus der Psychoanalyse oder waren Soziologen, oder Sozialwissenschaftler und anderes mehr. Es beruhigte ihn, sich mit seinem Erleben der Realität in einem größeren Rahmen wieder zu finden. Es beruhigte ihn, sein Erleben teilen zu können und aufgehoben zu sehen. In diesem Sinne wollten die Kolumnen-Texte auch ein „Containing“ für Erfahrungen anbieten.

 

La coronacion hatte vor, auch das Nachdenken des Lesers offenzuhalten. Dafür war die Einladung jeweils am Schluss gedacht, die persönlichen Erfahrungen mit dem Text abzugleichen und darüber zu schreiben. Als Mail an die Fachstelle zum Beispiel.

 

La coronacion mag in dieser Draufsicht jetzt sehr reflektiert wirken und doch ist es so, dass in dem Geschriebenen mehr enthalten war als der Autor dachte und geahnt hatte. Neben dem Bewussten gibt es eben immer auch Vor- und Unbewusstes, das sich übermittelt. Davon habe ich in Ihren Mails erfahren. Das war und ist sehr interessant und lehrreich. Danke für Ihre Mitarbeit.

 

Wenn Sie noch mögen, können Sie auch gern hierzu noch etwas schreiben.

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Der heutige TIP der Woche ist wieder ein Onlinetip.
Wenn das Wetter schlecht ist, die Ideen mal ausgehen oder endlich eine Alternative zu You Tube gefunden werden will, dann ist folgendes Angebot eine gute Idee.

https://www.meine-forscherwelt.de/intro/start.html ist eine Seite, die sich direkt an Kinder im Grundschulalter richtet. Ihr Kind geht mit Juli, Tim und dem Kater Berleburg auf Entdeckertour durch einen virtuellen Garten. Dort erwartet ihr Kind Wissenswertes, Spiele und Challenges.
Also das, was Kinder so oft online suchen, und wir Eltern uns gleichzeitig fragen, warum beispielsweise wieder ein Let´s Play oder TIK TOK Video geschaut wird. Gleichzeitig wollen wir auch nicht ständig verbieten und kontrollieren. Sondern entdecken und forschen als Grundbedürfnisse der kindlichen Reifung anerkennen und fördern. Dieses Angebot ist eines der vielen Möglichkeiten, bei denen Kinder diesen Bedürfnissen virtuell und analog nachgehen können, ohne dass wir als Eltern zu misstrauisch und überwachend dahinter stehen müssen. Hier können wir sie machen lassen, und müssen damit rechnen, dass die Küche oder der Garten ein Labor werden.

Dieses Internetangebot vermittelt auf ansprechende und spielerische Weise, wie unsere Alltagswelt funktioniert. Es gibt ein reichhaltiges Angebot an Begleitmaterialien, die die Bildungsinhalte pädagogisch aufbereiten, und dazu einladen, die Experimente offline auszuprobieren. Wo es gerade online so gut geklappt hat, ist die Übertragung in die Alltagsumgebung ein leichtes Spiel. Gerade diese breite Aufstellung des (Bildungs-) Angebotes empfinde ich als besonders gut. Die Erwchachsenengeneration versucht oft, die Lebenswelten in "analog" und "digital" zu definieren, was manchmal "echt" und "unecht" meint. Die Kinder und Jegendlichen trennen nicht mehr, sondern es geht Hand in Hand. Das Eine ergänzt das Andere, und das scheint mit dieser Seite auch prima zu funktionieren.

Aber was rede ich, schauen Sie sich einfach das Tutorial zu Seite an, es dauert gut 3,5 Minuten und bietet eine gute Einführung und Informationen zur anbietenden Stiftung:

files/meine-forscherwelt_tutorial.mp4

 

Was halten Sie von der Seite? Und haben Sie und Ihre Kinder herausgefunden, ob eine Katze Melodien pupsen kann?
Das sind schließlich die großen Fragen, die es zu erforschen giltwink

Herzliche Grüße
Silke Sechtling
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Die Kolumne der Fachstelle für Suchtprävention in der Pandemie-Zeit haben wir etwas augenzwinkernd nach dem spanischen Wort für „Krönung“ benannt. Sie erscheint einmal pro Woche. Alltagsbeobachtungen vermengen sich darin mit Nachdenken und Informativem. Lassen Sie sich diese Mischung gut schmecken.

 

 

Veränderte Zeiten sind das, in denen wir leben. Bei all der zurückkehrenden Normalität.

Vermummt in eine Bank zu gehen, wer hätte sich das einmal als Verpflichtung vorstellen können. Ich muss zugeben, noch immer fühle ich mich dabei etwas bedenklich an.

Früher gab es diese Redeweise, etwas sei so egal, wie wenn „in China ein Sack Reis umfalle“. Das drückte tiefste Belanglosigkeit aus. Ich stelle mir vor, dass sich das jetzt nicht mehr so leichtfertig sagen lässt.

Manche Wörter erfahren einen tiefen Bedeutungswandel. „Ischgl“ war immer sozusagen „der Ballermann“ in den Alpen. Ein ausgelassener und feierfreudiger Ort. Und jetzt? Ischgl hat einen Makel bekommen. Das Image „Corona-Schleuder“ wurde ihm angeheftet. Mehr Sodom und Gomorrha als Soda und Gin.

 

Wie ist diese „Umwertung“ passiert.

Mit der Pandemie gab es einen neuen Bezugspunkt, von dem aus Bewertungen vorgenommen wurden. Die Leitfrage für Bewertungen scheint mir nun zu sein: „Wie können wir in der Gefahr die entglittene Kontrolle wiedergewinnen?“ Das legitimierte die Maske in der Bank und beförderte die Kritik an der Feierkultur und ihren Szene-Orten.

 

Das Thema Kontrolle ist für die Suchtprävention ein ganz hervorragendes Thema. Weil wir darüber nachdenken und unsere Handlungskonzepte darauf gründen. Für das ganze Menschsein ist Kontrolle wohl ein hochambivalentes Thema:

Kontrolle gibt Sicherheit. Kontrolle wahrt die Ordnung. Kontrolle schützt. Kontrolle ist Beherrschung. Und hier fängt es an, spannend zu werden. Kontrolle ist auch Enge. Kontrolle nimmt Freiheit. Kontrolle wird gesucht und gebraucht (zur Not über den Umweg des Ansammelns von Toilettenpapier) und bereitwillig im rauschhaften Erleben aufgegeben. Das ist, als ob Menschsein auch bedeute, eine zeitweilige Befreiung von sich selbst zu suchen und im Rausch ein anderer sein zu können - eine weniger kontrollierte Version des eigenen Selbst.

Alkohol ist hier ein von unserer Gesellschaft bereitgestelltes und oft genutztes Vehikel und ermöglicht ein alkoholgetränktes Selbstvergessen.

 

Es ist jetzt fast einhundert Jahre her, das Freud in seiner Schrift „Das Ich und das Es“ ein Modell des seelischen Apparates entworfen hat mit einer noch immer plausiblen Klarheit. Frisch abgestaubt liest es sich so, dass das Ich zwischen dem Gewissen (das ist der Ort, von dem überwiegend die Kontrolle ausgeht) und dem Es (das ist der Ort, von dem aus in unserem Beispiel der Wunsch nach rauschhaftem Kontrollverlust andrängt) steht und immer wieder aufs Neue einen Ausgleich herstellen muss.

 

Anfang Juni ist ein Fotoband mit dem Titel „Ischgl“ (Lois Hechenblaikner, Steidl Verlag) herausgekommen und wurde in den Feuilletons jeweils mit einem Interview des Autors vorgestellt. Der Autor ist heimatliebend und tourismuskritisch. Er hat die in dem Wintersportort angezündete deutsche Seele in Bild und Wort vermessen. Die Sprache ist messerscharf, so zum Sezieren geeignet. Ich lass die jetzt mal los - von der Leine gewissermaßen - ,diese Sprache:

 

„Schon als Kind fiel mir auf, dass viele Deutsche so eine gewisse Eingesperrtheit haben. Etwas Gehemmtes. Das haben unsere Bergbauern instinktiv kapiert: So ein deutscher Tourist braucht einen Anschubser, damit er loslässt. Den Deutschen musst du einstellen zwischen 0,5 und einem Promill … und dann kannst du ihn abmelken.“

„ … die meisten Wirte haben einen bäuerlichen Hintergrund. Das heißt, sie haben einen Instinkt fürs Tier. Und der Instinkt des Viehhändlers ist das Rezept für Apres-Ski.“

„40 Prozent der Leute sind ja heute geschieden. Die meisten sind aber noch voll im Saft und wollen einen guten Secondhand-Durchgang erleben. Ischgl hat sich als alpintouristische Hoffnungsstätte für den hormonellen Haushalt etabliert. Der ganze Ort ist so kalibriert, dass einem suggeriert wird: Lass die Sau raus.“*

 

Freud hat das einmal dezenter sinngemäß so benannt, dass das Gewissen (Über-Ich) im Alkohol gelöst werde.

 

Vielleicht stehen wir ja alle mit unserem Ich zwischen ischglartiger Entfesselung und maskenartiger Kontrolle. Mit beidem muss unser Ich eine Berührung haben, um sich auf einen selbstverwirklichenden Freiraum gründen zu können. Und es muss sich Platz verschaffen. Für die Vernunft. Für Verstehen und Abwägen und Bewerten.

 

Was denken Sie darüber?

Schreiben Sie mir: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

*Zitate entnommen aus: Süddeutsche Zeitung Nr. 106/2020, Seite 11 und Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 22/2020, Seite 52

 

Die Kolumne der Fachstelle für Suchtprävention in der Pandemie-Zeit haben wir etwas augenzwinkernd nach dem spanischen Wort für „Krönung“ benannt. Sie erscheint einmal pro Woche. Alltagsbeobachtungen vermengen sich darin mit Nachdenken und Informativem. Lassen Sie sich diese Mischung gut schmecken.

 

 

Das Kolumnenwesen floriert. Ich habe jetzt eine Anregung bekommen. Vielleicht ist es sogar ein Auftrag. Und bei Aufträgen lässt sich schon fast ein Geschäft wittern.

Die Anfrage war, ob ich nicht einmal über die Maske als solche etwas schreiben könne. Die Idee gefiel mir gut. Schon weil ich finde, dass diese Dinger die Ohren meiner Mitbürger*innen so schön zum Segeln bringen. Je strammer die Haltegummis, desto „segeliger“ wird es, aber auch umso schrumpeliger. Allein das erheitert mich ein jedes Mal. Das funktioniert übrigens auch im Spiegel.

 

Auch beeindruckt mich die Filterwirkung dieser Teile. Und dazu zählt auch eine Erfahrung, die ich kürzlich machen konnte.

 

Diese Erfahrung war eine Begegnung. So von Maske zu Maske. Sie fand im Supermarkt statt. Ich hatte mich dort schon in die verschiedenen Vorschriften des Hygienischen eingefügt und musste mich fragen, ob ich jetzt gerade mehr beschützt oder doch eher eingeengt werde. Nun gut, der Einkauf war beisammen, im abstandssicheren, griffdesinfizierten Wagen verstaut und mit - wegen der Maske - leicht beschlagen-nebligen Brillengläsern bewegte ich mich zur Kasse. Zügig. Auf dem Weg dahin eine Engstelle im Gang. Ein Rollwagen. Nicht auf meiner Seite. Ich also vorfahrtsberechtigt. Da kommt einer. Also Gegenverkehr. Und der schiebt voran. Vermummt wie er ist. Ich denke, gut, dann machen wir eben mal eine kleine Einkaufswagenverkeilerei - und dann sehen wir weiter.

 

Dieses Verfahren habe ich mir übrigens abgeschaut. Meistens läuft das unter der Überschrift „Kompetenzgerangel“. Prominentes Beispiel zuletzt war die Konstellation Verfassungsgericht gegen Europäischen Gerichtshof bei den Anleihekäufen. Auch in der Entwicklungszeit der jetzt veröffentlichten Corona-App, war unter den Beteiligten viel „rangeliges“ Kompetenzgeschehen herauszuhören. Gibt es eigentlich überall und immer wieder.

 

Also, auch ich schiebe. Stillstand. Schön verkeilter Stillstand. Nichts geht mehr. Stau.

 

Ich warte auf eine Verkehrsdurchsage, in etwa dem Stil: „Achtung, Verkehrsstau in Gang C „Hygieneartikel“. In Höhe der Anschlussstelle Toilettenpapier ist eine Tagesbaustelle. Der Verkehr staut sich zurück. Sie müssen mit 10 Minuten Verzögerung rechnen.“

 

Diese Durchsage kommt nicht, aber ich höre etwas anderes. „Bsdka“.

Die Filterwirkung der Maske ist erstaunlich. Zumindest bei Silben und Worten. Die bleiben schon mal hängen darin. Wenn die das mit dem Virus genauso hinbekommt will ich zufrieden sein.

Der Fremde also will mit mir reden. Kontakt aufnehmen. Kommunizieren. Ist wahrscheinlich doch ein soziales Wesen. Und dann höre ich meinen Namen „ … bist du das?“. Vielleicht musste es so kommen – wir kennen uns. Und waren uns kurz zuvor noch so maskenfremd.

 

Masken verbergen und bewahren. Schützen und verheimlichen. Die Motive und Zwecke der Maske sind vielschichtig. Rechtschaffen und Rechte verletzend. In der Maske wohnt eine Ambivalenz.

 

Im Kontext des Sozialen macht die Maske ihren Träger unkenntlich. Und der Maskenträger weiß um diese Unkenntlichkeit. Er wird gesehen, aber nicht erkannt. Er enthebt sich der Regeln der Gemeinschaft, die auf dem Erkennen beruhen. Er gibt diesen Halt auf und sucht die Befreiung von Konventionen. Das kann die Identität bereichern oder auch das Soziale in der Gemeinschaft gefährden.

In den Worten der Strukturtheorie der Psychoanalyse – die das Seelische in die Instanzen Ich, Es und Über-Ich unterteilt – lässt die Maske Regungen aus dem Bereich des Es in das Ich einströmen und schwächt den Einfluss des Gewissens. 

 

Ich denke, in dem Supermarkt habe ich etwas von der Ambivalenz zu spüren bekommen.

 

Und wissen Sie, was verdammt schwer ist mit Maske?

 

Zu lächeln.

Wahrscheinlich fehlt das der Maske und ihren Trägern am allermeisten.

 

Wie geht es Ihnen mit der Maske? Welche Erfahrungen und Begegnungen haben Sie eingesammelt?

Schreiben Sie mir: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

 

Die Kolumne der Fachstelle für Suchtprävention in der Pandemie-Zeit haben wir etwas augenzwinkernd nach dem spanischen Wort für „Krönung“ benannt. Sie erscheint einmal pro Woche. Alltagsbeobachtungen vermengen sich darin mit Nachdenken und Informativem. Lassen Sie sich diese Mischung gut schmecken.

 

 

Ich habe mich jetzt mit meinen Kolleginnen unterhalten und gemerkt, ich muss mich einfach mehr öffnen. Und lockerer werden.

 

Wie ich darauf komme?

Die einmal so benannte „Öffnungsdiskussionsorgie“ – erinnert sich noch jemand an die Zeit und die Zustände, als dieses Wort von der Kanzlerin in die Welt gebracht wurde? – war ja sehr erfolgreich. Erfolgreicher als die Macht des Coronavirus, auf Dauer Angst einzujagen. Geöffnet und gelockert wurde allerorten. Locker die Friseure, das Eis in der Waffel, das Shoppen und das Zanderfilet aus Wildfang im Restaurant. Und „allerorten“ umfasst jetzt auch wieder Urlaube, Strände, wohl auch die der Mittelmeerländer.

 

Soll ich jetzt so einen kleinen Wanderurlaub auf dem Weinsteig bei Deidesheim (Deidesheim ist der saumagenberühmte Ort Helmut Kohls. Da traf er sich schon mal mit anderen Staatenlenkern zum sternedekorierten Schmausen.) probieren?

Das frage ich mich. Eigentlich ist das keine Frage. Aber eben jetzt.

Ich muss richtig überlegen. Nicht jetzt wegen Helmut Kohl. Nicht wegen dem Saumagen. Wegen was anderem. Halb gelockert war ich ja schon. Kartenmaterial besorgt, wandertauglicher 1:25 000er Maßstab, Etappen eingeteilt. Aber irgendwie ist das doch ein Schritt, nicht so der ganz leichte und selbstverständliche. In den letzten Wochen hatte ich aus unserem Home eine Art Castle gemacht und das öffentliche Leben vor dem Burgfried gelassen. Hat sich ja bewährt. Gesund geblieben. Ich merke jetzt, das öffentliche Leben hat mich die ganze Zeit belagert. Soll ich da hineingehen, in die corona-technisch vierfünftel befriedete Welt? Diese Welt ist inzwischen von jeder Menge Typen der Sorte Bruder Leichtsinn bevölkert, die vielleicht nur besonders gut im Vergessen sind und den Gegenwartsmoment über das Erinnern stellen. Wahrscheinlich bin ich Bruder Vorsicht und habe noch einen Vorrat der schlimmen Italienbilder aufbewahrt. Das Virus glimmt noch, es gibt Glutnester (die heißen heute Hotspots) und manche Zeitgenossen haben ihr Leben schon wieder auf Durchzug umgestellt. Und Durchzug entfacht.

 

Die „neue“ Normalität will noch nicht so ganz die meinige werden. Warum muss ich so herumüberlegen? Über das sonst Selbstverständliche so gründlich nachdenken? Was ist das Fremde im eigentlich Altvertrauten?

 

Vielleicht durchlebe ich ja eine Wiederannäherungskrise?

Dieses schöne Wort hat vor zahlreichen Jahren Margret Mahler erfunden. Es stammt aus der Zeit, als die psychoanalytische Entwicklungslehre nicht mehr nur aus der Behandlung Erwachsener rekonstruiert, sondern auch mit empirischen Beobachtungen fundiert wurde. Das Wort beschreibt eine „Modellvorstellung von Entwicklung“, die nicht immer „laut“ sichtbar wird, manchmal wirkt sie mehr im Hintergrund. Gemeint ist eine vom kleinen Kind empfundene Unmöglichkeit. Es muss eine Zumutung durchleben und ertragen.

Der ganze hochgestimmte Stolz über die mit dem Laufen verbundene Welteroberung weicht noch vor Mitte des zweiten Jahres einer mehr quengeligen Unzufriedenheit. Was ist los? Das kleine Kind merkt etwas. Obwohl so viel Neues erstmalig gelungen ist, kann es jetzt gleichzeitig auch die eigene Begrenztheit erfassen. Die sich verbessernden kognitiven Fähigkeiten sagen ihm das. Es merkt, wie sehr es noch die Eltern braucht, Mutter und Vater. Es spürt den Boden der Tatsachen. Und der ist unnachgiebig, desillusionierend. Aber trotz der ganzen Errungenschaften wieder so klein wir vormals zu sein? – das geht auch nicht. Deswegen ist die Welt blöd und Mutter und Vater sowieso. Und hier geht für das Kind der Ärger erst richtig los. Wenn ich wütend auf die beiden bin, dann macht meine Wut aus diesen beiden etwas anderes, doofe Eltern sind das – ich brauche aber gute Eltern, um aus dieser Klemme heraus zu kommen. Und das ist das, was Eltern schaffen müssen: auf eine verzeihende Art gut (und ehrlich) zu bleiben, obwohl das Kind gerade so unmöglich anstrengend ist. Nicht leicht. Aber nur dann kann das Kind seine Wut „am Objekt“ (d.h. den Eltern) integrieren und negative mit positiven Affekten zu einem Bild zusammenfügen.

 

Hab´ ich mir jetzt gerade so etwas eingefangen? Eine späte Version der Wiederannäherungskrise?

Ich will mich ja auch „wieder annähern“. Aber an keine Eltern, sondern an das frühere Draußen. Ich gebe auch keine „Welteroberung“ auf wie das kleine Kind, sondern einen sicherheitsspendenden Rückzugsort. Aber unleidig bin ich doch. Habe auch eine Ambivalenz, die zwischen Wunsch nach unbeschwerte Lebensfreiheit und Virus-Bedenken. Das Kind konnte sein quengeliges Unzufrieden-sein an den Eltern auslassen. Ich stelle mir gerade vor, dass das auch schön entlastend sein kann. Würde ich ja auch machen. Geht ja ausgesprochen gut mit Verschwörungstheorien. Aber ich glaube, ich muss es selber ausbaden.

 

Ich lass mir jetzt das Wasser ein.

 

In Deidesheim.

 

 

Haben sie auch Umstellungsschwierigkeiten mit der Wiedereröffnung unserer früheren Lebensvollzüge?

 

Schreiben Sie mir?

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P.S.  „Indirekte“ Autorin dieser Kolumne ist meine liebe Kollegin Marianne, deren psychologische Reflektionsfähigkeit mit in den Text eingeflossen ist. Ja, die Gespräche „zwischendrin“ sind so ergiebig wie nützlich. Und gehen wohl nur im Office, ohne Home.

Fachstelle für Suchtprävention 


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