Eine Kolumne über Erziehung“ - Folge 4

Heute möchte ich ein wenig über die Zeit philosophieren. In der Erwachsenenwelt gibt es viele Metaphern über die Zeit, die Sie sicher auch kennen. In der Regel wird die Zeit als ein knappes Gut beschrieben, das man nicht „verschwenden“ oder gar „verlieren“ sollte. Die Zeit sollte „genutzt“ werden, auch weil sie Ihnen ansonsten „davonlaufen“ könnte. Können Sie sich noch an Ihre Kinderzeit erinnern? Irgendwie hat man als Kind „alle Zeit der Welt“.

Warum ist das eigentlich so?

Bis zum 3. Lebensjahr haben Kinder noch keine Vorstellung von Zeitdauern, gleichwohl können sie zyklische, also wiederkehrende Handlungsabläufe emotional einordnen. Dies ist die Zeit in der Rituale, z.B. beim Einschlafen oder beim Anziehen die Zeit definieren. Positiv empfundene Rituale entspannen. Als Eltern müssen Sie dafür natürlich Zeit investieren und  mitbringen. Wenn Sie als Eltern zeitliche Angaben machen, sollten Sie diese möglichst immer mit Handlungsabfolgen veranschaulichen. „Noch dreimal schlafen, bis….“

Auch bis zum 7.Lebensjajhr ist die Vorstellung von Zeit noch eher anschaulich. Wer größer ist, ist älter. So einfach ist das. Ob Onkel Oli 18 oder 38 ist, ist dem/der Kleinen egal. Zeitdauern werden in der Regel noch nicht so gut verstanden, gewinnen aber an Bedeutung. Jahreszeitliche Verbindungen können jetzt verknüpft werden, z.B. dass Weihnachten immer im Winter ist.

Bis zum 10. Lebensjahr  können viele Kinder schon die Uhr „lesen“ und damit ihre Eltern stolz machen. Kürzere Zeiträume können dann vielleicht schon abgeschätzt werden, längere aber noch nicht. In diesem Alter besonders beliebt (und darüber hinaus) sind auch sogenannte „Zeitleistenthemen“. Gemeint sind Epochen oder Zeitspannen mit besonderen Vorkommnissen, z.B. Ritter, Dinos, Steinzeit u.Ä.  Manche Kinder entwickeln sich zu wahren Experten, wobei der Zahlenraum über 1000 meist doch noch verschlossen bleibt.

Ab dem 11. Lebensjahr erweitert sich das Zeiterleben unserer Kinder dann auch mechanisch-physikalisch. Will heißen, dass für den Nachwuchs die Verbindung zwischen Zeit und Geschwindigkeit zunehmend erfahrbar wird. Auch das ist spannend und manchmal  richtig riskant.

Mit dem Eintritt in die Pubertät wird das Zeiterleben zwischen den Generationen dann besonders facettenreich und individuell wenig vorhersehbar. Die Messgenauigkeit lässt nach und in der Regel müssen Eltern eine erhöhte Fehlertoleranz ertragen. Seien Sie nicht zu streng; früher oder später geht diese Zeit auch vorbei und die „Kleinen“ sind plötzlich „groß“. Bei manchen Eltern bleibt dann die bange Frage; „Wo ist eigentlich die Zeit geblieben?“

In diesem Sinne, schenken Sie Zeit und nutzen Sie die gemeinsame Zeit mit ihren Kindern.

Sie sind ein Geschenk!

Wenn Sie Kinder zwischen 5 und 8 Jahren haben, möchte ich Ihnen noch ein wirklich amüsantes Buch zum Thema empfehlen. „Anton hat Zeit, aber keine Ahnung warum“ von Meike Haberstock.

 

 

Wenn Sie mir Schreiben wollen, ich freue mich auf Ihre Reaktionen.

Liebe Grüße und bis demnächst, Ihr

Lutz Hentzschel

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