„Eine Kolumne über Erziehung“ - Folge 3

Kaum ein Thema wird unter Eltern so heiß diskutiert wie die Frage, wieviel Medienkonsum unseren Kindern noch nicht oder doch schon schadet. Es wird auch gefragt, wieviel davon denn wirklich nötig ist, um die Kleinen auf die modernen medienbasierten Anforderungen ihres zukünftigen Alltags vorbereiten zu können. In öffentlichen Diskussionen treffen oft Extreme aufeinander. Neulich im TV, bei „Hart aber fair“,  postulierte der ansonsten von mir hochgeschätzte Neuropsychiater Prof. Manfred Spitzer (Buch zum Thema - Cyberkrank), dass - aus neuropsychologischer Sicht - Handys, Tablets und Computer, die zum Spielen verführen, eigentlich erst ab 18 Jahren genutzt werden sollten. Erst dann sei das Gehirn so ausgereift, dass eine unschädliche Verarbeitung der Reize wahrscheinlich wäre. Er vergleicht das mit dem Führerschein, der den jungen Menschen auch erst mit 18 das selbstständige Fahren auf der Autobahn erlauben würde.

In der gleichen Sendung saß der Unternehmer Frank Thelen (im TV  - Die Höhle der Löwen), der vehement dafür eintrat, dass schon Kindergartenkinder ab 3 Jahren an den Umgang mit Programmiersprachen und Tablets gewöhnt werden müssten. Er führte die internationale Wettbewerbsfähigkeit in unserer Hochtechnologiewelt an und mahnte, dass Deutschland auf diesem Gebiet ansonsten abgehängt werden würde.

Die Diskussion wurde hart und meistens fair geführt und am Ende war ich zwar schlauer, aber nicht wirklich entschiedener in der Frage, was, wann und wieviel wirklich gut für Kinder ist.

Eines hatte ich aber gelernt: Extrempositionen helfen nicht wirklich weiter.

Beide oben beschriebene Haltungen begegnen uns auch hier in der Beratungsstelle. In der Regel aber immer erst dann, wenn etwas richtig schief gelaufen ist in der realen oder virtuellen Welt.

Wir treffen Eltern, die Handys und Computer bei jedem Fehlverhalten verbieten und deren Kinder, die dann immer nur noch mehr fordern. Beide Seiten sind oft aggressiv, es wird wenig gesprochen und wenn, dann oft laut.

Und wir sehen Eltern, die zu viel für oder von ihren Sprösslingen wollen und deren Kinder, die solchen Anforderungen dann nicht mehr gerecht werden. Enttäuschung und Depression stehen hier im Fokus. Es wird viel geredet, aber wenig zugehört.

Auch das sind Extreme. Als Eltern haben Sie viel Macht und Möglichkeiten in der Erziehung Ihrer Kinder -  und das alles auch ohne gültigen Führerschein. Man kann immer Unter - oder Überfordern.

Wie in der Talkshow „Hart aber fair“ gibt es nicht für alle Probleme die schnellen Lösungen, quasi 2go. Was aber hilft, ist ein „Faktencheck“ und das gemeinsame, vielleicht auch moderierte Gespräch miteinander. Kreative und individuelle Lösungen sind möglich, wenn der Respekt erhalten bleibt oder wiederhergestellt wird. Dafür können wir hier in der Beratungsstelle eine Plattform sein. Stellen Sie sich der gemeinsamen Diskussion mit Ihren Kindern, denn die sind die Experten von morgen! Ich bin sicher, alle könnten davon profitieren!

 

Wenn Sie mir Schreiben wollen, ich freue mich auf ihre Reaktionen.

Liebe Grüße und bis demnächst, Ihr

Lutz Hentzschel

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Aktuelles

„KLASSE KLASSE“ mit der ...

Das neue und innovative Programm für Grundschulen ...

Neues Gruppenangebot: ...

Ist es bei mir „nur“ riskanter Konsum oder ...

Du bist doof - ...

Eine Kolumne über Erziehung – Folge 5 ...

Scroll to top